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Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis macht deutlich, dass sich diese Veröffentlichung schwerpunktmäßig auf zwei Bereiche bezieht: auf Sachinformationen zu Graffiti einerseits und auf didaktisch - methodisch aufbereitete Arbeitsblätter und -materialien andererseits.

In einem ersten allgemeinen Teil (Kap. 3) wird auf den Begriff 'Graffiti' eingegangen, einen Begriff, der zwar viel benutzt wird, dessen Herkunft und Umfang aber wenig bekannt ist. Danach werden die verschiedenen Bildsorten benannt, die unter der Überschrift 'Graffiti' subsumiert werden können. Bereits in diesem Abschnitt wird deutlich, dass Graffiti mehr umfassen als bildkünstlerische Äußerungen, die gemeinhin mit Graffiti identifiziert werden: Zu Graffiti gehören nicht nur American Graffiti (Tags und Pieces), sondern z.B. auch Schablonengraffiti (Pochoirs, Stencil Graffiti) oder Sprayzeichnungen.

Einen Hauptteil dieser Veröffentlichung bilden die Analyse und die didaktisch -methodische Aufbereitung von American Graffiti, die hier - wegen ihres mittlerweile internationalen Charakters und weil sie am ehesten mit Graffiti gleichgesetzt werden - auch als Graffiti i.e.S. bezeichnet werden. Kapitel 4 liefert die wichtigsten Sachinformationen zu Graffiti i.e.S.: Neben historischen Aspekten, Tags und verschiedenen Arten von Pieces werden insb. die vielfältigen Gestaltungsmittel des Style Writing (Outlines, Fill In und Background) untersucht. Außerdem werden Herkunft und verschiedene Arten von Characters analysiert und die notwendigen Kenntnisse zu Sprühtechnik und anderen (auch kunstunterrichtlich relevanten) Herstellungsverfahren vermittelt.

Die Ausführungen zu Graffiti i.e.S. wären einseitig formal ausgerichtet, würden sie nicht um wichtige inhaltliche, auch psychologisch - pädagogisch orientierte Aussagen ergänzt. So wird z.B. im Abschnitt 'Graffiti und Identität' versucht, einen Zusammenhang zwischen der Herstellung von Graffiti und der altersspezifischen Entwicklungsphase der jugendlichen Produzent/innen herzustellen. Besondere Beachtung wird den zentralen Motiven der Graffiti - Bewegung (Brotherhood, Respect, Kreativität u.a.) geschenkt, ohne deren Kenntnis das Phänomen 'Graffiti' nicht verständlich ist. Von Interesse dürfte auch die Rolle der Mädchen in dieser Jungen - Domäne sein. Damit den Jugendlichen präzise die Konsequenzen unerlaubten Sprühens verdeutlicht werden können, widmet sich die abschließende Sachinformation zu Graffiti i.e.S. umfassend den juristischen Folgen, die mit der Anfertigung illegaler Graffiti verbunden sind.


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Zwei der nachfolgenden Kapitel sind für den Kunstunterricht von besonderer Bedeutung. Sie enthalten eine Vielzahl von alternativ einzusetzenden Materialien und Arbeitsblättern zu den wesentlichen Gestaltungsbereichen von Graffiti i.e.S., dem Style Writing (Kap.5) und der Gestaltung graffititypischer Characters (Kap. 7). Eingeführt wird in diese Materialien und Arbeitsblätter durch jeweils vorgeschaltete didaktisch - methodische Kommentare (Hinweise zum Gebrauch).

Die von der Verfasserin erstellten Materialien und Arbeitsblätter wurden im Rahmen der eigenen Unterrichtspraxis über mehrere Jahre in verschiedenen Klassen, Wahlpflicht- und Projektgruppen des 7. - 10. Jahrgangs an zwei bremischen Schulen sowie in der Referendarausbildung und der Lehrerfortbildung am Wiss. Institut für Schulpraxis/Landesinstitut für Schule Bremen entwickelt, erprobt und modifiziert. Die Materialien sind für den Kunstunterricht in der Sekundarstufe I gedacht. Auf eine Differenzierung nach Schularten wurde bewusst verzichtet. Viele der hier veröffentlichten Arbeitsblätter wurden für den Kunstunterricht mit eher ungeübten Schüler/innen des 8. und 9. Jahrgangs einer integrierten Gesamtschule hergestellt. *)

Bedenkt man, dass bereits bei jüngeren Schüler/innen das Interesse an Graffiti rasant zunimmt, so sind bei entsprechender methodischer Aufbereitung einige der hier vorgestellten Arbeitsblätter auch schon im Kunstunterricht der Klassen 5 und 6 einsetzbar.

Aus fachimmanenten Gründen wird in dieser Veröffentlichung einer Bildsorte besondere Aufmerksamkeit geschenkt: den Schablonengraffiti (Pochoirs, Stencil Graffiti). Schablonengraffiti (vgl. Kap. 10) können im Kunstunterricht nämlich als Vorlauf oder als Alternative zu Graffiti i.e.S. behandelt werden, sind sie doch sprühtechnisch wesentlich einfacher herzustellen als formal-ästhetisch anspruchsvolle Pieces. Da die Anfertigung von Schablonengraffiti auf Kenntnissen zur Tontrennung basiert, wird insb. für fachfremd unterrichtende Kolleg/innen auch auf dieses an und für sich bekannte bildkünstlerische Verfahren (unter Einschluss der Rasterverzerrung) eingegangen (Kap. 9). Die Arbeitsblätter zu Tontrennung und Schablonengraffiti sind ebenfalls im Rahmen eigenen Unterrichts sowie der Lehreraus- und fortbildung entwickelt und erprobt worden.

Mit Sicherheit wird Schüler/innen der Sekundarstufe I der Zugang zur bildenden Kunst der Moderne (Kap. 11) über die Beschäftigung mit Graffiti erleichtert, ein nicht zu unterschätzendes Faktum - selbst dann, wenn es sich um Arbeiten von Andy Warhol oder Keith Haring handelt, zu denen Schüler/innen dieser Altersstufe ohnehin einen relativ guten Zugang haben. Im Zusammenhang mit Tontrennung und Schablonengraffiti kann auf die Serigrafien Andy Wathols sowie den britischen Künstler Banksy eingegangen werden. Die bildkünstlerischen Arbeiten von Keith Haring und Jean-Michel Basquiat - beide ehemals illegal in der New Yorker Graffiti-Szene tätig - sollten als Sonderfall der Graffitikunst thematisiert werden. Im Kontext der Analyse von Sprayzeichnungen und als Beispiel für staatliche Verfolgung illegalen Sprayens kann schließlich das Werk Harald Naegelis (des Sprayers von Zürich) problematisiert werden. Spätestens hier zeigt sich, dass Graffiti auch ein Unterrichtsthema sind, das Facetten aufweist, die vertieft im Kunstunterricht der Sekundarstufe II behandelt werden sollten. Das gilt natürlich nicht nur für die Auseinandersetzung mit Werken der bildenden Kunst, sondern z.B. auch für die Entwicklung eigenständiger, komplizierter Schriftzüge (Styles) und figurativer Darstellungen (Characters).

Zwecks Anschauung werden dieser Veröffentlichung exemplarisch ausgewählte, kurz kommentierte Schülerarbeiten aus dem Kunstunterricht der Sekundarstufe I beigefügt (Kap. 6 und 8 sowie z. T. 9 und 10). Eine rasche Orientierung über das

*) Erstaunlicherweise erfreute sich eine Reihe der Materialien und Arbeitsblätter so großer Beliebtheit, dass sie sowohl schulintern als auch schulextern von Jugendlichen gesammelt, kopiert, gescannt, getauscht und sogar "gehandelt" wurden. Das ist kein Beweis für die Qualität, wohl aber ein Beweis für die Faszination, die mit dem Phänomen 'Graffiti' verbunden ist. An bestimmten der hier vorgestellten Materialien zeigten sich auch geübte, fast erwachsene Sprayer interessiert, so etwa an den Checklisten zu Gestaltungsmitteln von Graffiti i.e.S. oder an Alphabeten, die als Vorlagen oder Ausgangspunkt für das Style Writing dienen können.


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graffitispezifische Vokabular kann das in Kapitel 12 abgedruckte Glossar liefern, das auch im Kunstunterricht - ggf. auf die wichtigsten Fachwörter reduziert - eingesetzt werden kann. Wer sich vertieft mit bestimmten Sachaspekten des Themas 'Graffiti' beschäftigen möchte, findet in der umfangreichen Literaturliste (Kap. 13) sicher einige Anregungen.

Aus Platzgründen wird in dieser Veröffentlichung auf Unterrichtshinweise verzichtet, die sich auf die Vermittlung einiger Sachinformationen, wie sie in Kap. 4 zu finden sind, beziehen oder auf fächerübergreifende Aspekte rekurrieren. Über den Kunstunterricht i.e.S. hinausgehende recht gute Anregungen zu Spurensuche/Dokumentation von Graffiti, Herstellung eines Graffiti - Stadtplans, Pro-und-Contra-Streitgesprächen zu Graffiti, Simulation einer Gerichtsverhandlung, Produktion von Rap - Musik u.ä. finden sich an anderer Stelle. *)

*) Vgl. hierzu insb. Hiltrud Schulze-Mäuerle / Hermann Schulze: Graffiti. Projektideeen für einen fächerübergreifenden Unterricht über ein nichtalltägliches Thema. Lichtenau - Scherzheim, 1994.
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