< <<< Seite 160     >
6 STYLE - WRITING, AUSGEWÄHLTE SCHÜLERARBEITEN

6  

STYLE - WRITING
AUSGEWÄHLTE SCHÜLERARBEITEN

Abbildungen
SEITE
KOMMENTAR
164 - 170 Aus Platzgründen kann hier nur eine kleine Auswahl aus der Vielzahl von Schülerarbeiten zum Thema 'Style Writing' wiedergegeben werden. Dabei handelt es sich durchaus nicht immer um die "besten" Ergebnisse; vielmehr sollen die Arbeiten verdeutlichen, was mit Schüler/innen, die über einige Vorerfahrungen verfügen, und was mit wenig geübten und völlig ungeübten Schüler/innen der Sekundarstufe I kunstunterrichtlich machbar sein kann.
164a, 164b Entwürfe für Writing Names
  Sich einen eigenen "Künstlernamen/Tarnnamen" zu geben, ist für Schülerinnen dieser Altersstufe von großer Faszination. Die Entwürfe "Ken One" und "Kito" (S. 164f.) stammen von zwei Schülern, die sich bereits längere Zeit mit Graffiti beschäftigen. Dass aber auch ungeübte Schülerinnen zu recht beachtlichen Ergebnissen gelangen können, wenn vorab einige Übungen zur Gestaltung von Outlines und Blocks absolviert worden sind (z. B. S. 108, S. 120) und sie sich an den entsprechenden Checklisten (S. 43 f., S. 46) orientieren können, zeigen die Entwürfe "Spek" und "Gima" (S. 164f.). *)

*) Mit dem Begriff 'Schüler' sind hier immer Jungen gemeint.

< Seite 161 >
Natürlich können nicht alle Entwürfe als großformatige Pieces realisiert werden, wie beispielsweise in abgewandelter Form "Ken One" (vgl. S. 167). Sie können aber als Vorlage für größere, farbig ausgeführte Reinzeichnungen bzw. großformatige, gemalte (oder gesprühte) Tafelbilder benutzt werden.

Es versteht sich, dass bei unterschiedlichem Vorwissen und unterschiedlichen Vorerfahrungen in einer Lerngruppe Maßnahmen der inneren Differenzierung zu treffen sind. Geübtere Schüler/innen sollten in diesem Zusammenhang die Aufgabe erhalten, die Gestaltung ihrer bereits entwickelten Writing Names anhand der Checklisten zu verfeinern bzw. zu verändern.
165a, 165b Entwürfe für ein Piece

Werden Graffiti an öffentlichen Gebäuden angebracht, so bietet es sich an, auf die Institutionen zu verweisen, die in diesen Gebäuden untergebracht sind. Die Entwürfe können sich z.B. auf die eigene Schule beziehen, wie etwa die Entwürfe "SZ JBA" (= Schulzentrum Julius - Brecht - Allee) zweier eher ungeübter Schüler. Im günstigen Fall wird außerhalb der Schulöffentlichkeit ein Auftrag erteilt, wie etwa durch den Leiter der Institution, die in Bremen für Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung zuständig ist. Die Entwürfe "WIS" (= Wissenschaftliches Institut für Schulpraxis, jetzt Landesinstitut für Schule) stammen von zwei Schülern, die Mitglieder einer Graffiti - Crew sind. Diese Entwürfe sind in abgewandelter Form im Rahmen einer ganztägigen Lehrerfortbildungsveranstaltung realisiert worden (vgl. S. 12 und S. 166).
166 Graffiti - Aktion 1: Wiss. Institut für Schulpraxis. (WIS)

Im März 1995 wurde im WIS ein sog. Fachtag, also eine ganztägige Lehrerfortbildungsveranstaltung, zum Thema 'Gewalt' durchgeführt. Dieser Fachtag wurde maßgeblich von Schüler/innen der Sekundarstufen I und II mitgestaltet. Mit verschiedenen Aktionen gaben Jugendliche Lehrer/innen Einblick in verschiedene Formen der Jugendkultur, wie Rappen, Graffiti u.ä., die geeignet sind, Gewalt vorzubeugen bzw. abzubauen.

Im Rahmen dieses Fachtages stellten mehrere Schüler unter den Augen einer ziemlich erstaunten Lehrerschaft das Piece "WIS" her.
In den Vorgesprächen war den Schülern die Aufgabe gestellt worden, ein Piece "nach allen Regeln der Kunst" anzufertigen, d.h. in dem Piece sollten nicht nur alle wichtigen Versatzstücke des American Graffiti enthalten sein (vgl. auch die Entwürfe auf S. 165); es sollte auch technisch anspruchsvoll gestaltet werden.
Voraussetzungen für diese Aufgabe waren eine vorab durchgeführte Ortsbesichtigung, die Einigung auf die Versatzstücke und deren Anordnung, die Verkleidung der verrotteten Wandfläche mit vorgrundierten Holzplatten sowie der selbsttätige Einkauf von Dosen und Caps. Die Kosten für das 21 Quadratmeter große Piece beliefen sich auf ca. 200.- . An der Sprühaktion nahmen fünf Schüler teil, davon zwei geübte Mitglieder einer Graffiti - Crew.

< Seite 162 >
Die Aktion wurde von einem Workshop begleitet, den vier eher ungeübte Hauptschüler des 9. Jahrgangs zum Thema 'Schablonengraffiti' (vgl. S.225 ff.) durchführten. Der öffentliche Auftritt brachte für die Schüler einen großen Motivationsschub mit sich. Hier zeigte sich, was sich fast immer zeigt, wenn es um die Auseinandersetzung mit Jugendkultur geht: Die Rollen vertauschen sich; aus Lernenden werden Lehrende und umgekehrt.
166167 Graffiti - Aktion 2: Innenhof des SZ Julius - Brecht - Allee

Für die Durchführung von Graffiti - Aktionen ist es besonders vorteilhaft, wenn dafür ein längerer, zusammenhängender Zeitraum, z.B. eine Projektwoche, zur Verfügung steht. Im Rahmen einer solchen Projektwoche wurde im Sommer 1996 von geübten und weniger geübten Schülern der von Betonmauern umgebene Innenhof vor der Stadtteilbibliothek im Gebäude des Schulzentrums Julius - Brecht - Allee mit insgesamt 13 Pieces von 3 bis 33 Quadratmetern Größe versehen.
Bezüglich der Vorplanungen wurde ein Kompromiss zwischen dem Sprühen von Writing Names und selbst gewählten Characters einerseits und Pieces, die auf die räumliche Situation Bezug nehmen, andererseits, erzielt. Die Wände wurden für Einzel- oder Kleingruppenarbeit "parzelliert" und die Abfolge der Pieces festgelegt.
Für die Bemalung einer der beiden Eingangswände zur Stadtteilbibliothek setzte sich ein Entwurf mit dem Schriftzug "Wer liest, lebt leichta" durch - in "echter" Graffiti - Manier so geschrieben, wie man spricht (vgl. S. 166).
Dieser Spruch sollte in einer Schrift gestaltet werden, die auch für Schüler/innen und Bibliotheksbenutzer/innen lesbar war, die sich noch nicht mit Graffiti beschäftigt hatten. Bei der Gestaltung von Writing Names wurde den Schülern weitgehend Freiheit gelassen. Sie sollten sich lediglich in der Ausformung der Outlines und in der Farbgebung einigermaßen deutlich voneinander unterscheiden (vgl. die Wände "Deks One, Shesm, Mareejo", im Hintergrund "Xench" und "Ken One", S. 167).

An der viertägigen, von morgens bis abends dauernden Sprühaktion nahmen acht Stammschüler des 7. - 10. Jahrgangs teil, davon wiederum zwei geübte Mitglieder einer Graffiti - Crew.
Während der Aktion hielten sich aber durchgängig wesentlich mehr Schüler/innen und Jugendliche in dem Innenhof auf: Helfer/innen, Fans, Skater und solche, die lediglich die durch Hip Hop - Musik angereicherte Atmosphäre genießen wollten.
Der Innenhof wurde von den Schüler/innen als kleine Hall of Fame angenommen: Die Graffiti haben bis jetzt fast sieben Jahre ohne größere Schäden "überstanden" - eine für Graffiti ungewöhnlich lange Lebensdauer.
168169 Großformatige Malerei 1: Tafelbilder

Die großformatigen Tafelbilder auf S.168 f. können einen Einblick

< Seite 163 >
  darin geben, was mit völlig ungeübten, bildnerisch eher leistungsschwachen Schüler/innen nach ziemlich kurzer Zeit im Bereich 'Graffiti' machbar ist.
Die Tafelbilder (Acrylfarbe auf Pappe, 100 x 75 cm) wurden von Schüler/innen des 9. Jahrgangs eines Wahlpflichtkurses 'Graffiti' an einer Gesamtschule hergestellt. Zunächst wurden die Schüler/innen anhand der entsprechenden Checklisten mit den wichtigsten Grundbegriffen von American Graffiti vertraut gemacht und erprobten anhand einiger (z.T. zur freien Auswahl gestellter) Arbeitsblätter verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten zum Fill In (S. 140 - 143, S. 144/145), zur Gestaltung von Outlines (S. 92/93, 102/103, 107) und Blocks (S. 126/127) und zur Farbgebung (S. 138/39).

Da die Tafelbilder im Schulgebäude öffentlich ausgehängt werden sollten, entschieden sich die Schüler/innen für kurze Schriftzüge, die das Lebensgefühl und die "Träume" von Jugendlichen thematisieren: Liebe, Tanzen, Coolness und Leidenschaft, Berühmtwerden u. ä.
Der eigene hohe Anspruch war wohl ausschlaggebend dafür, dass sich die Schüler/innen in ihren Entwürfen mit Vorliebe an den komplizierten Buchstaben des Alphabets auf S. 72 ff. orientierten, obwohl sie selbst bereits brauchbare eigene Schriften entwickelt hatten.
Zwar ist das "Biten" (Abzeichnen) eine graffitispezifische Methode zum Erlernen von Styles. Wer aber diesen Effekt vermeiden will, sollte auf die Eingabe komplizierter Alphabete (vgl. S. 72 - 77) verzichten oder deren Eingabe mit der Auflage verbinden, die Buchstabengröße bzw. -richtung durch bewegte Begrenzungslinien zu verändern (vgl. S. 119). Denkbar ist auch die Eingabe weniger komplizierter Buchstaben, die als Ausgangspunkt für das Hinzuerfinden passender Buchstaben dienen können.

Unsichere Schüler/innen vergrößerten ihren Entwurf über den Overheadprojektor, andere übertrugen ihren Entwurf ohne Hilfsmittel ins große Format. Die Bildergebnisse zeigen, dass ungeübte, leistungsschwache Schüler/innen durchaus in der Lage sind, nach relativ kurzer Zeit das Gelernte in einem größeren Zusammenhang anzuwenden (Buchstaben einander überdecken lassen, Blocks einzeichnen, Fill In, Farbgebung und Background entwickeln, die zur Wortbedeutung passen, dem Fading ähnliche stufenlose Obergänge herstellen, technisch sauber arbeiten u.ä.).
170a, 170b,
170c
Großformatige Malerei 2: Schaltkasten - Bemalung, Wandmalerei

Im Rahmen der Projektwoche 1997 der Integrierten Stadtteilschule Carl - Goerdeler - Straße gestalteten Schüler/innen des Wahlpflichtkurses 'Graffiti' die Wand eines Pavillons am Eingang des Schulgeländes mit Acryl-, Sprayfarbe und Jumbo - Paintmarkern sowie unter Zuhilfenahme eines Tageslichtschreibers. Parallel dazu bemalten Schüler/innen des 8. Jahrgangs nach Entwürfen aus dem Wahlpflichtkurs mehrere Schaltkästen der Stadtwerke Bremen mit Lackfarben.
Für die Wahl der Inhalte und die formale Gestaltung gilt ähnliches wie im Zusammenhang mit den Tafelbildern (S. 168 f.) ausgeführt. Dass die Schüler/innen sehr motiviert und auf ihre Arbeitsergebnisse stolz waren, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung.
weiter >